n.3

Es macht keinen Spass, auf diesem Papier zu schreiben. Ich habe den Stift gewechselt und merke nach ein paar Zeilen, dass hier dasselbe passiert wie mit dem Füller: Die Tinte sickert sehr langsam ein, die Schrift glänzt erst noch eine Weile. Man hat das Gefühl, keinen Griff zu haben auf diesem Papier. An der glatten Oberfläche prallen die Gedanken ab, und die glänzende Tinte - das war noch extremer mit dem Füller - blendet mich: Irgendwie fällt das Licht am Morgen so, dass ich den Eindruck habe, hilflos zu sein, weil ich nichts sehe. Ich kann meine Gedanken nicht sehen, nur meine hässliche Schrift, nachdem die Tinte getrocknet ist.

n.1

Doof, wenn es schon mit C-Dur-Dreiklängen beginnt, und das auch noch in kurzen Schlägen mit Pausen dazwischen, und alle irgendwie rote Ohren kriegen auf der Bühne, weil man merkt, dass man noch das GEMEINSAME C-Dur finden muss. Egal. Mal ein anderer Ort zum Schreiben. Sonst sitzen wir ja schreibend nur in der S-Bahn. Weiß jetzt auch nicht, woher jetzt plötzlich dieses “wir” gekommen ist. Muss ich nachher etwas zu dem Bekannten (der im Orchester mitspielt) sagen, wie “toll” es war? Ich hoffe doch nicht. Aber was sagt man? “Es war spannend”? Der junge Mann, den wir beim letzten Klingeln noch in unsere Reihe ließen, hat eine hellbraune Hose an und weinrote Chucks. Das Hemd ist Flieder kariert und der Cardigan ist in Flieder. Ich hab “Guten Morgen” gesagt, als wir aufstanden, damit er sich noch zu seinem Sitz durchzwängen konnte. Zwischen ihm und mir sind noch zwei Sitze frei. Es ist schönes Licht in der Laeiszhalle am Vormittag. Das ist viel schöner als abends mit dem elektrischen. Oh, sie haben etwas Gemeinsames gefunden. Das ist schön. Gut, wenn so etwas gelingt. (2012-05-06)

friedrich telephoniert mal wieder

Übrigens verkrampfen sich meine Zähne gerade. Oder man sagt wahrscheinlich besser: meine Kiefer. Oberkiefer und Unterkiefer. Und während ich also dies aufschreibe, merke ich, dass meine Zunge breit etwas nach vorne geschoben ist und von der oberen und von der unteren Zahnreihe gehalten wird. Ich beiße also auf den Rand meiner Zunge. So sieht das also aus, wenn ich schreibe. Sieht das bescheuert aus? Ich glaube, der Druck verstärkt sich auch, wenn meine Hand an den rechten äußeren Rand des Notizheftes rutscht. Boah, erst einmal wieder entspannen! Grimassen schneiden. Ich habe früher in der 5., 6. und 7. Klasse im Orchester gespielt. Ein anderer Junge, der auch Cello spielte, bewegte mit offenem Mund seine Kiefer extrem hin und her. Immer wenn Friedrich Cello spielte, sagten wir: “Friedrich telephoniert mal wieder.”